Die Chinesiche Rotbauchunke
(Bombina orientalis)
Die Bombina orientalis wurde erstmals duch GEORGE ALBERT BOULENGER im Jahr 1890 beschrieben.
Er arbeitete bis zu seinem Lebensende als wissenschaftlicher Mitarbeiter in der zoologischen Abteilung des Natural
History Museum in London, wo er die Amphibiensammlung katalogisierte.
Im Durchschnitt wird die Chinesische Rotbauchunke etwa 5 cm groß, im Handel gibt es je nach Herkunftsgebiet verschieden
gefärbte Tiere die auf der Oberseite von graubraun nach leuchtend grün variieren kann.
Die Unterseite ist schwarz-orange bis schwarz-rot marmoriert, nicht zu verwechseln mit der Gelbbauchunke deren Bauch
schwarz-gelb marmoriert ist! Die Gelbbauchunke kommt übrigens auch in Deutschland in der Natur vor und ist meistens nur
noch in speziell ausgewiesenen Naturschutzgebieten zu finden. Sie steht unter Artenschutz!
Der Rücken ist mit deutlich erhabenen, sehr rauhen Warzen übersät. Die Pupillen sind dreieckig
geformt. Das Männchen verfügt über keine Schallblase und ruft entsprechend relativ leise. Es bildet zur Paarungszeit
(Mai bis Mitte August) Brunftschwielen an den beiden inneren Fingern der Hände und umklammert das Weibchen wie alle
Arten der Archaeobatrachia inguinal. Der Laich wird in zeitlichen Intervallen von mehreren Tagen in kleinen Portionen
aus 3 bis 45 Eiern abgegeben und unter anderem an Wasserpflanzen geheftet. Ein Weibchen produziert je Laichperiode 40
bis 260 Eier. Die Embryonal- und Larvalentwicklung dauert etwa zwei Monate. Gegenüber anderen Unkenarten ist die
Rotbauchunke tagaktiv und sehr bewegungsfreudig, und das nicht nur wenn Futter in
der Nähe ist!
In meinem Paludarium bietet sich hierfür ausreichend Gelegenheit, die Unken können sowohl klettern (was sie durchaus
auch in ihrem natürlichen Habitat machen) alsauch schwimmen und sogar tauchen.
Es lohnt sich auf jeden Fall, für diese Tiere einen großzügigen Wasserbereich bereitzustellen, da die Unken ein wirklich
interessantes Verhalten im Wasser zeigen. So kann man manchmal beobachten, dass die Tiere nebeneinander auf der
Wasseroberfläche treiben, und dann wie auf Komando gemeinsam tauchen. In einer Art Wettstreit sitzen sie am Boden und
warten darauf, dass der "Konkurrent" aufgibt und zum Luftschnappen wieder an die Oberfläche schwimmt. Kommt ein Weibchen
hinzu, wird es auch schon mal unter Wasser umklammert, was oft dazu führt dass die Tiere in dieser Umklammerung zu Boden
sinken - dem Weibchen gefällt das allerdings nicht unbedingt.
Wie unter der Rubrik Projekte zu sehen ist habe ich mir extra für diese
Tiere ein Terrarium auf mein offenes Aquarium gebaut - wer will kann es mir nachtun, eine entsprechende Bauanleitung
gibt es dazu nämlich auch.
Tatsächlich ist der Bau eines Terariums auf ein offenes Aquarium leichter als manch einer
denken mag, ein klein wenig Handwerkliches Geschick und ein gutes räumliches Vorstellungsvermögen - mehr braucht man nicht
dafür. Das Bild zeigt übrigens meinen allerersten Versuch ein geschlossenes Terrarium zu bauen, und wenn ich das schon
beim ersten Versuch so gut hin bekomme, kann es nicht allzu schwierig gewesen sein oder?
Hier ist ein Bild von meinem fertigen Terrariumaufsatz, momentan halte ich darinnen zwei
Chinesische Rotbauchunken (Bombina orientalis) zu denen sich noch 5 Jungtiere gesellen werden, sobald sie groß genug
sind.
Diese Tiere sind tagaktiv, nicht allzu scheu und halten sich gerne im Wasser und am Ufer auf, benötigen daher
nicht allzuviel Landfläche.
Wenn sie an Land auf der Jagd sind, durchstreifen sie den Blätterwald aus Efeu und Bromelie, für einen Leckerbissen
klettern sie sogar mal auf Bäume!
Ihre Lieblingsspeise sind
kleine Heimchen und Regenwürmer, sie fressen aber eigendlich alles was sich bewegt und was sie
erwischen. Manchmal bekommen sie Stubenfliegen, Obstfliegen, Maden und alles, was sich so in meine Wohnung an Ungeziefer
verirrt. Sie stellen an ihr Futter eigendlich nur zwei Anforderungen: Es muss ins Maul passen und es muss lebendig sein!
Einmal habe ich eine gefangene Stubenfliege direkt verfüttert, die der Unke also mit einer Pinzette vor das Maul
gehalten. Mit einem Schnapper war die große Fliege verschwunden, man hörte sie noch zwei dreimal im Bauch der Unke summen,
sie war wohl doch etwas zu groß gewesen, doch nach einer Weile wurde es dann still im Bauch...
Die kleinen Unken bekommen bei mir dementsprechend noch kleines Futter, also Blattläuse, kleine Fliegenmaden und
Fruchtfliegen. Im Gegensatz zu den großen Tieren können die Kleinen noch senkrecht an den Scheiben hinauf klettern und
machen richtig große Sprünge, um an ihr Futter zu kommen.
Manchmal wenn ein männliches Tier versehendlich ein anderes männliches Tier besteigt, gibt das untere Tier durch
lautes Quaken - eigendlich ist es meihr ein pfeifen - zu verstehen, dass es für eine Paarung der falsche Partner ist.
So kann man auch Weibchen und Männchen daran unterscheiden, ob und wie es sich äußert, wenn man es vorsichtig an den
Seiten umklammert - wenn es laut quakt, ist es sehr wahrscheinlich ein Männchen...
Wer Nachwuchs haben möchte,
sollte in einem vor Laichräubern geschützen Bereich eine flache Wasserstelle schaffen, an der der Laich an irgendwelchen
Pflanzen oder Gegenständen angeheftet werden kann.
Die meiste Zeit des Tages hängen die Tiere im Wasser oder sitzen auf den knapp unter der Wasseroberfläche liegenden
Blättern einer Wasserpflanze herum und beobachten die Fische.
Entdecken sie in einem Spalt etwas was sich bewegt, pirschen sie sich langsam heran und beobachten genau, um was es sich
handelt. Wenn es fressbar ist, holen sie langsam die Beine dicht an den Körper und machen sich zum Sprung bereit, um bei
der nächsten Gelegenheit mit einem großen Satz zuschlagen zu können.
Die Chinesische Rotbauchunke hat im Gegensatz zu vielen anderen Fröschen keine besonders lange Zunge, so das sie auf die
Beute zuspringen muss um sie zu erwischen. Dadurch ist sie sehr agil und eigentlich ständig in Bewegung was man von
anderen Fröschen nicht grade sagen kann.
Hier nimmt
eine Unke grade ihr Sitzbad.
Trotzdem sie sehr gut schwimmen kann sollte man bei der Einrichtung darauf achten, das es an mehreren gut zugänglichen
flache Stellen gibt, an denen das Tier aus dem Wasser steigen kann. Einige Schwimmpflanzen oder hochwachsende
Wasserpflanzen erleichtern zusätzlich den Ausstieg aus dem Aquarienteil.
Auch ein paar Verstecke sollte es geben, sowohl an schattigen wie auch an sonnigen Stellen. Es gibt Tage, an denen die
Tiere ihre Zeit unter dem dichten Blätterdach auf feuchtem Boden verbringen und dann wieder Tage, an denen sie auf
Steinen oder Holzwurzeln ihre Nasen der Sonne entgegen strecken.
Die Kleinen erkunden mutig jeden Winkel des Terrariums und klettern auf die höchsten Wurzeln und Blätter, springen
hinunter ins Wasser und tauchten dort um die Wette. Sprang einer ins Wasser, so folgte stets ein anderer hinterher.
Eine Weile lassen sie sich immer treiben, dann taucht der erste plötzlich ab und paddelt mit kräftigen Stößen zum Grund.
Der zweite folgte stets nur Sekundenbruchteile später, legte sich ebenfalls auf den Grund und verharrt dort ein paar
Sekunden. Wie ein Kräftemessen von Halbstarken glotzen sie sich unter Wasser so lange an, bis der erste von ihnen wieder
schnell hinauf paddelt um Luft zu schnappen - dicht gefolgt vom Gewinner des Unterwasser-Duells.
Nach wie vor füttere ich noch immer die ersten Happen direkt mit der Pinzette oder, wenn ich Fliegenmaden gebe, direkt
von der Hand. Oft klettern die Mutigsten Unken direkt auf meine Hand und schnappen sich die dicken Maden zwischen meinen
Fingern weg. Manchmal wenn einer einem Anderen einen besonders leckeren Happen weggeschnappt hat, schnappen sie auch
nacheinander.
Ich konnte schon beobachten, dass eine Unke das Vorderbein einer anderen im Maul hatte, sie zankten sich so heftig bis
schließlich das unterlegene Tier den Happen (in diesem Fall eine Made) wieder ausgespuckt hatte was nun wirklich nicht
grade appetitlich aussieht.
Ein Jahr ist vergangen seitdem ich die Frösche pflege - die noch immer deutlich kleineren Fünf tauchen noch immer um die
Wette, danach bespringen sie sich gegenseitig als wenn sie sich paaren wollten. Das unterlegene Tier drückt sein
Missfallen durch lautstarkes Gequake aus, versucht sich aus der Umklammerung zu befreien und zu fliehen. Manchmal, wenn
dies im Wasser passiert und das unterlegene Tier den Kopf beim Quaken unter Wasser hat, klingt das sehr seltsam. Meine
Befürchtung, sie könnten sich gegenseitig ertränken wie ich das von zeit zu Zeit mal höre oder lese hat sich zum Glück
bisher nocht nicht bewahrheitet.
Gespannt warte ich darauf, ob vielleicht bald mal Froschlaich in meinem Terrarium auftaucht. Soweit ich weiß ist es
notwendig, einen künstlichen Winterschlaf durchzuführen und als Auslöser für einige Zeit eine besonders hohe
Luftfeuchtigkeit von bis zu 100% zu erzeugen, um eine Paarung und damit auch die Laichabgabe zu ermöglichen.
Für den interessierten Betrachter habe ich neben den hier gezeigten Bildern aus meinem Aquaterrarium auch ein paar
kleine Filmsequenzen von verschiedenen Situationen hinterlegt - wer nicht glaubt das die Tiere also wirklich um die
Wette tauchen (5 MB MPG)
kann sich hier gerne überzeugen lassen!
Auch die Geräuschkulisse während der
Paarung (15 MB MPG) ist durchaus interessant, es ist faszinierend die Tiere zu beobachten - sie sind nicht nur
zur Fütterungszeit aktiv wie man das von vielen anderen Aquarienbewohnern kennt und machen auch hin und wieder ein paar
Dummheiten...
So zum Beispiel ist es normalerweise für die Frösche nicht möglich, die Schiebefenster zu erreichen, da sie dazu den
Wasserteil durchqueren und eine 5cm senkrechte Glaswand mit eingeklebter Glasleiste überwinden müßten, um bei geöffneten
Schiebetüren abhauen zu können.
Durch einen Zufall ist mir bei Aufräumarbeiten ein Stück Baumrinde als Brücke über den Wasserteil gefallen, was einer
der Frösche gleich genutzt hat um darauf entlang zu klettern. Ich ertappte ihn dabei, wie er auf den Hinterbeinen stehend
- die Vorderbeine an die Schiebetüren gepresst interessiert den laufenden Fernseher beobachtete. Das Stück Baumrinde
habe ich so liegen lassen, ich gönne den Quakern die Abwechselung und hoffe, die GEZ kommt nicht auf die Idee den
Fröschen auch noch Fernsehgebühren abknöpfen zu wollen.
Als Unterscheidungsmerkmale von Männchen und Weibchen habe ich bisher verschiedene Möglichkeiten gehört und gelesen, so
sollen die Schwimmhäute zwischen den Fingern beim Männchen stärker ausgeprägt sein als beim Weibchen, auch soll auf den
Warzen der Männchen ein markanter Kraterartiger schwarzer Punkt zu sehen sein wohingegen die Warzen des Weibchens glatt
und Einfarbig sein sollen. Wie sicher diese Unerscheidungsmöglichkeit ist (angeblich sollen auch bestimmte Grün- und
Braunfärbungen Aufschluß über das Geschlecht geben können) möchte ich hier nicht genauer belegen, dafür fehlt mir noch
die Erfahrung. Vielleicht beobachte ich ja bald wie ein Weibchen den Laich abgibt und kann das genauer überprüfen.