James Bond und "Q" bei den Fischen

Neugierig was das nun wieder bedeuten soll? Nun, das ist eigendlich ganz einfach....
James Bond hat seine Spezialwaffen, Autos mit Pfiff und allerlei verblüffender Spielchen auf Lager, seine Special Effects stammen von dem Profi-Tüftler "Q" - aber was der Bond kann.... viele der Schmerlen sind Mister 007 mit ihren Fähigkeiten durchaus ebenbürtig, ein paar Beispiele gefällig?

Tarnen und Täuschen..
007 verwendet zum Tarnen Masken, die Schmerlen verwenden hingegen den selben Effekt wie die Chameleons, sie können ihre Farbe und Zeichnung geringfügig ändern. Gut sichtbar ist das z.B. bei den Prachtschmerlen (Botia macrachanthus) und ihrer Schreck- bzw Agressionfärbung. Die Prachtschmerle überzieht innerhalb von Sekunden ihre orange-schwarz gestreifte Zeichnung mit einem schmutzig grauen Schleier, unter dem ihre sonst so prachtvolle Zeichnung nur noch zu erahnen ist.

Waffen- und Verteidigungssysteme
Darin ist "Q" wahrlich der Meister, doch auch die Waffen diverser Prachtschmerlenarten sind nicht ohne.
Sie besitzen unter dem Auge einen harten Dorn, der sich normalerweise in Schwimmrichtung eng an den Kopf schmiegt so das er fast nicht zu sehen ist. Bei Gefahr können diese Schmerlen den Dorn aufrichten und in dieser Position arretieren - eine sehr wirkungsvolle Waffe und zugleich auch ein Schutzschild gegen Fressfeinde! Der Aufgestellte Dorn zerschlitzt beim Verschlucken der Schmerle die Speiseröhre des Angreifers, aus Schaden wird man Klug, so werden sie Schmerlen kaum von Vögeln oder Raubfischen gefressen.

Fassadenkletterer
Die Saugnapfschuhe von 007 könnten eine direkte Kopie der Flossen des sogenannten "Flossensaugers" sein (Gattung Beaufortia), allersings ist die Version des Tieres um einiges besser. Der Flossensauger nutzt nämlich nicht nur die Stellung der Flossen dazu aus, sich auf den glatten Felsen der schnellfliessenden Gewässer zu halten, sondern er verwendet auch den "Bernoulli-Effekt" für die Fortbewegung (www.google.de -> Bernoulli-Effekt)

Schutzschilde
Wenn James seine kugelsichere Weste anzieht, kann eine Schmerle nur lachen - sie trägt ihren Schutzpanzer immer mit sich herum, er ist leicht, widerstandsfähig und erfüllt gleich mehrere Aufgaben gleichzeitig. Die Rede ist von der Schleimschicht, die die Schmerle umgibt.
Diese Schleimschicht ist zäh genug, um vor schweren Schnittverletzungen zu schützen, sie ist undurchdringlich für Parasiten und sie ist weich genug, um sich beim Schwimmen durch enges Pflanzendickicht oder Wurzelwerk anzupassen - ausserdem kann sich die Schmerle nicht so schnell mit den Schuppen in dem Gestrüpp verfangen.

Rasante Verfolgungsjagd
Schnelle Autos gegen enorme Muskelkraft und perfekte Stromlinienform.
Gemessen an anderen karpfenartigen Fischen ist ein Grossteil der Schmerlen mit für ihre Korpermasse unverhältnismässig viel FP (Flossen-Power) ausgestattet - sie hat eine vergösserte Schwanzflosse und ausserdem einen muskulöseren Schwanzstiel. Dadurch erreichen Schmerlen im Wasser sehr hohe Geschwindigkeiten, es ist ihnen auch möglich, ähnlich wie Lachse Wasserfälle hinauf zu schwimmen ( natürlich nicht ganz so Grosse!)

Nachtsichtgeräte
Schmerlen haben drehbare, sehr grosse und lichtempfindliche Augen, mit denen sie besonders gut in der Dämmerung jagen können. Tagsüber sind sie eher schwimmfaul, liegen in Höhlen oder unter Wurzelwerk herum, man sollte ihnen daher tagsüber einen dunkleren Aufenthaltsort gönnen und bei der Beleuchtung des Aquariums rücksicht darauf nehmen. Schmerlen können ihr Nachtsichtgerät nämlich nicht abnehmen...

Spürnase und Frühwarnsysteme
woher auch immer Mr.Bond seine Informationen bekommt, wo der Feind lauert - die Schmerle macht das mit ihren Barteln bzw. Bartfäden. Dabei handelt es sich um ein sehr feines Geruchs- und Tastorgan, mit dem die Schmerle im Boden versteckte Würmer und Schnecken erschnüffeln bzw. die Bewegung der Tiere erspüren kann.
Auch das Seitenlinienorgan ist dafür zuständig : es registriert die Druckunterschiede im Wasser, die durch Bewegungen anderer Tiere ausgelöst werden, ausserdem wirkt es wie eine lange Geschmacksknospe, das Tier erkennt im Vorbeischwimmen das Futter am Geschmack des Wassers.

Sauerstoffflaschen und Atmen
Taucheranzüge kommen öfter mal vor, wenn es mit James ins Wasser geht - nur wenn die Flasche leer ist, hat er verloren! Was das angeht, sind auch wieder die Schmerlen im Vorteil, sie haben gleich zwei Überlebenstaktiken:
1. Atmen ohne Sauerstoff im Wasser
2. Überleben auf dem Trockenen, Schutz vorm Austrocknen

Einige Tiere nutzen diese beiden Punkte auch, um sich im Bedarfsfall über den Landteil in einen anderen Tümpel zu retten, wenn der eigene Tümpel austrocknet. Gerhard Ott (siehe Bücher) beobachtete derartige Landgänge bei der Pangio doriae.

Funkgeräte und Verständigung
Schmerlen verfügen über die Fähigkeit, mittels Knackgeräuschen untereinander zu kommunizieren - sie sind also keinesfalls "Stumm wie die Fische" wie schon mancher Aquarianer hören konnte. Die Verständigung, die sich ausserhalb des Wassers wie ein Knacken und Schnalzen anhört, dürfte von den Schmerlen mangels eines Gehörganges sicher anders empfangen werden. Untereinander verständigen sich die Tiere durch mindestens 12 verschiedenartige Geräusche, die von "Vorsicht Gefahr" über "Essen" bis hin zu "Verschwinde hier" reicht. Die Aufzeichnung und Auswertung dieser Sprache dürfte uns noch eine Weile beschäftigen.

Zu nahezu jedem hier vorgestellten Thema gibt es entweder in der FAQ oder bei den betroffenen Fischarten weitere Informationen nachzulesen. Nicht jedes Tier verfügt über jeden Spezialeffekt, aber insgesamt gehören die Schmerlen mit ihren Sonderausstattungen zu den wohl am besten ausgerüsteten Tieren im Wasser - eben ein schwimmender James Bond...