Projekt "Schmerlenbecken"

Öfter mal was Neues, was ich jetzt mal ausprobiert habe ist sicher nichts, was es nicht irgendwo schon mal gab oder gibt...
Ich habe versucht, ein Aquarium so einzurichten, das es für Schmerlen die bestmöglichen Bedingungen bietet - auf sehr engem Raum.

Folgende Daten :
Beckengröße: 200 Liter Brutto
Beckenart: offen
Pumpen : Fluval Innenfilter, 1000 Liter/Stunde
Eheim Außenfilter, 400 Liter/Stunde
Filtersystem: Mattenfilter, 70 cm länge, grobes Material
Beleuchtung: 2 x 30 Watt Röhren
3 x 20 Watt Halogen-Spots (Eigenbau)
Boden : Sand, 0,5-1,5 mm Körnung
Besonderheiten: Landteil mit Sumpfpflanzen bepflanzt

Schmerlen lieben in der Regel weit überhängende Uferböschungen, gedämpfte Beleuchtung und starke Strömungen, sauerstoffreiches Wasser und feinen Sand- oder Lehmboden, der mit Mulm bedeckt sein darf. All das läßt sich - so hoffe ich - mit meiner Variante realisieren.

Dazu erst mal eine grafische Darstellung, wie ich es mir ausgedacht hatte :


Hier erst mal nur die Technik, also wo die Pumpen sitzen, wie die Filtermatten angeordnet sind und wie ich mir die Optik so vorstellte.

Viele fragen, warum ich die Filtermatte und die Steinwand gebrochen habe, also einen Winkel eingebaut habe, anstatt eine grade Fläche zu verwenden - der Grund ist folgender : ich möchte bestimmte Strömungseigenschaften erzielen, denn durch die dünne Filtermatte ganz rechts erhalte ich eine starke durchgehende Strömung bis ganz an das Ende des Aquariums - ebenso ist der Filterauslauf auf der entgegengesetzten Ecke besser gezielt an der Aquarienscheibe entlang zu steuern, wenn auch er in einem solchen Winkel sitzt. Im Hintergrund entsteht ein relativ ruhiger Bereich, wo sich Mulm ansammeln kann und die Fische geschützt bei gedämpfter Beleuchtung ruhen können
Ein kleiner weiterer Vorteil ist, das durch den Knick eine hohe Stabilität gegen das Umkippen von Filtermatte und Rückwand gegeben ist.


Hier habe ich versucht, den Landteil zu zeichnen. Der Landteil schließt nicht mit dem Mattenfilter ab, sondern ragt noch 10cm darüber hinaus, so ist der Großteil der Filtermatte im Schatten und damit unsichtbar.

Ganz so wie auf dieser Zeichnung konnte der Landteil dann doch nicht gebaut werden, der Bachlauf fehlt momentan noch und er wird nicht, wie in der Zeichnung, mit einer innenliegenden Pumpe sondern mit einem Außenfilter betrieben.


Zuerst beginne ich mit der Filtermatte, sie ist 50x50x10cm dick gewesen, ich habe sie in der Dicke mittig durchgeschnitten (Cutter-Messer) und dadurch eine Struktur hineingebracht.

Dann habe ich in das Aquarium unten eine Führungsschiene aus Kunststoff eingeklebt, sie soll die Matte unten festhalten und für den Fall eines nötigen Austausches die Sandmassen zurückhalten, denn der Sand wird nur bis an den oberen Rand dieser Schiene geschüttet.

Jetzt stelle ich schon mal die Matte hinein und platziere den Filter. Im Hintergrund entsteht nun das Gerüst, welches der Filtermatte stabilität geben wird. Auf 5 gleichhohen Kunststoffrohren (Kabelrohr)wird nachher der Landteil aufliegen, diese Rohre werden, wie alles hier, mit Aquariensilikon fest verklebt.

Mit einer Hartschaumplatte (Baumarkt) ist nun die Rückwand geschlossen worden, durch das Loch wird später das Wasser des Fluval Innenfilters strömen. In der Filtermatte ist über die gesamte Höhe ein Schlitz eingearbeitet, in welchen die Hartschaumplatte hineingesteckt wird - so kann das Wasser nicht an der Matte vorbei gezogen werden und die Matte bleibt entnehmbar.

Die Hartschaummatte ist nun mit Deko-Felsen beklebt worden, der Filter wurde mit Rohrenden so angeschlossen, das er durch den Deko-Felsen eine starke Strömung erzeugen kann. Wasser und Sand sind auch schon drinnen, der Filter arbeitet wie gewünscht

Hier kommt der Pflanzkasten für den Landteil, als Gerüst ist wieder das Kabelrohr verwendet worden, der Außenrahmen ist aus weißer Hartschaumplatte, und damit die Pflanzen auch an das Wasser kommen ist der Unterboden ein Kunststoffgitter (Laubschutz für Regenrinnen). In die Filtermatte wurde oben eine Rinne eingearbeitet, in welche der Stützrahmen des Pflanzkastens hineingreift - so schließt die Matte auch oben über die gesamte Höhe ab. Natürlich folgt noch die optische Aufarbeitung, so wird also die weiße Hartschaumplatte auch hier noch verkleidet.
Hier ist fast alles fertig, die Lampe sitzt und Deko und Fische sind platziert. Wie es sich gehört ist der Pflanzkasten mit einigen Sumpfpflanzen ausgestattet, nur der Bachlauf fehlt hier noch, er sollte zuerst aus Zement gegossen werden. Leider stellte sich heraus, das Zement zu leicht bricht, so habe ich auf ein anderes Material zurückgreifen und die Gestaltung etwas abändern müssen. Außerdem habe ich die Rückseite und mittlerweile auch die Seiten bis zur Lampenhalterung mit Korkplatte verkleidet, das gibt dem Ganzen eine wärmere Note und hält die Luftfeuchtigkeit unter diesem halboffenen System etwas höher.

Ein Blick von oben auf den Pflanzkasten, hier habe ich einige fleischfressende Pflanzen eingesetzt, sie lieben es hell und brauchen gleichmäßig feuchten Boden, nähere Infos zu fleischfressenden Pflanzen gibt es von Daniel Jelkmann auf http://www.djelkmann.de/
Ganz links ist der ehemals als Bachlauf geplante Sauerstoffzubringer zu sehen, es ist ein halbierter Bambusstab, der fast bis in's Wasser reicht. Über diese Zuleitung fließen ca 300 Liter Wasser pro Stunde.

Nachdem die Einlaufphase wohl mittlerweile abgeschlossen sein dürfte (Start des Projektes war Oktober 2001) darf ich sagen, das sich mitlerweile alle eingesetzten Tiere sehr wohl zu fühlen scheinen. Viele genießen den Sichtschutz und das gedämpfte Licht unter der Böschung, die B.histrionica schwimmt abends mit vorliebe gegen die 1000L/Stunde starke Strömung des Innenfilters an und die B.striata sind seit der Umgestaltung viel zutraulicher geworden.
Die Rasbora heteromorpha zeigen durch die Strömung ein ausgeprägteres Schwarmverhalten und fingen wenige Wochen nach dem Einsetzen erneut an, für Nachwuchs zu sorgen.
Mitlerweile hat sich durch den Sumpfteil, der mit ungedüngtem Torf bestückt ist, ein pH Wert von 6,4° eingestellt und das Wasser leicht gelblich eingefärbt. Alle Pflanzen des Landteils wachsen sehr gut, meine Befürchtung, der Torf könne schimmeln hat sich nicht bestätigt, statt dessen breitet sich dort derzeit ein grünlicher Moosteppich aus, wo keine Pflanzen stehen.

Abschließend möchte ich sagen, dass dieses System in seiner jetzigen Form sehr stabil funktioniert und die gewünschten Effekte übertrifft.




Der Stand vom Oktober 2001 (44 kb)
Hier ist das Aquarieninnere noch gut zu erkennen, dafür habe ich mir mit einem Trick beholfen und 2 Fotos mit verschiedenen Belichtungszeiten übereinandergelegt.
Der Stand vom September 2002 (70 kb)
Der Landteil ist so stark gewachsen, dass ich das "Gras" in der Mitte zurückschneiden musste. Auch das Innere ist mittlerweile stark bewachsen, daher wirkt es sehr dunkel auf diesem Foto - diesmal habe ich den Trick nicht angewendet...
Der Stand vom Oktober 2002 (70 kb)
Das Aquarium nach veränderter Beleuchtung und geringfügig geänderter Bepflanzung. Ich hoffe nun auf gutes Wachstum der Aquarienpflanzen, das warme Licht der Spots gibt der Innenansicht eine Sonnendurchflutete Note...
Der Stand vom April 2005 (74 kb)
Aus dem Landteil wurde ein vollwertiges Terrarium mit nach hinten verbreitertem Landteil gebaut, in dem jetzt auch einige Frösche ihr Heim gefunden haben.
Eine ausfühliche Bauanleitung gibt es dazu natürlich auch.

Nachträglich waren folgende Änderungen vorzunehmen:

Problem 1:
Der Stabheizer schaltete im Sommer nicht mehr schnell genug ab, dadurch heizte sich das Aquarium über den dort eingestellten Wert auf.
Diese Temperaturprobleme werden darurch verursacht, dass dieses Aquarium direkt unter einer Dachschräge steht, die sich im Sommer stark aufheizt und im Winter stark abkühlt, so das man den (Einen!) Heizer nicht auf einen vernünftigen Wert einstellen kann, um im Sommer wie im Winter eine fischverträgliche Temperatur zu halten.
Abhilfe:
Die kleine schwarze Kiste auf dem Lampenkasten misst nicht mehr nur die Temperatur, sondern schaltet beim Überschreiten einer Temperatur von mehr als 28°C den Stabheizer aus. (Als Option könnte man hier ein Kühlelement einschalten lassen)
Als Zusatz wurde ein zweiter Stabheizer installiert, der beim Unterschreiten von 23°C automatisch zugeschaltet wird.


Problem 2:
Der Aquarienschrank ist leider nicht dauerhaft stabil, er hat sich vorne so weit durchgebogen, dass die Ausgleichsmatte an der rechten Seite zusammengequetscht wurde.
Abhilfe:
Die dunkelbraune Metallstütze in der Mitte des Schrankes richtet dieses Problem, sie wird ebenfalls noch mit Bambus getarnt wie bereits das Metallgestell des Lampenkastens.


Problem 3:
Die Beleuchtung der im Wasser befindlichen Pflanzen erwies sich als zu schwach, dadurch gewannen immer mehr Algen an Boden und verdrängten die eigendliche Bepflanzung.
Abhilfe:
Die 2x30 Watt Röhren wurden im Lampenkasten nach hinten versetzt um so 3x20 Watt Einbaustrahlern genügend Platz zu schaffen - diese Strahler sind ausschliesslich auf den Wasserteil ausgerichtet.

Damit ergibt sich folgende Beleuchtung :
Landteil: 2x30 Watt Röhren Wasserteil : 3x20 Watt Halogen-Spot zuzüglich der Beleuchtung die von den Röhren weiterhin in den Wasserteil gelangt.

Problem 4:
Bedingt durch den Umbau des Terrarienteils wurde eine andere Beleuchtungseinheit notwendig, um Land- und Wasserteil mit genügend Licht und Wärme zu versorgen.
Abhilfe:
Die Beleuchtung besteht nun aus einem Dreier 12V Halogenspot-System für den Landteil (2x20Watt Normal-Spot und 1xLED-Spot) und einem Fünfer 230V Halogenspot-System mit 2x35 Watt Normal-Spot, 2x LED-Spot und ein mal Lüfter für den Wasserteil.
Insgesamt ergibt sich über den Tag für die gesamte Aquarium-Terrarium-Kombination mit Licht, ZHeizung und Filtersystem ein Energieverbrauch von ca. 3 kW pro Tag, Kosten ca 250,- Euro pro Jahr bei den derzeit gültigen Strompreisen.