Yasuhikotakia morleti /(horae)
Aalstrichschmerle, Hora's Schmerle, Mausschmerle
Seit einigen Jahren (5-6 ?) schwimmen in meinem 1,20m Gesellschaftsbecken 2 Yasuhikotakia morleti und sie haben sich zu sehr kräftigen und schönen Tieren entwickelt, denen man die gute Kondition wirklich ansieht. Selbst eine Ichtyo-Erkrankung haben sie im letzten Jahr problemlos überstanden, obwohl schon einige Pünktchen zu sehen waren.
Urspruenglich hatte ich vier Tiere gekauft und leider nach einigen Monaten - aufgrund der damals sehr versteckten Lebensweise - viel zu spät bemerkt, dass mit den Tieren etwas nicht stimmte. Das jetzige Weibchen war feist und kräftig, zwei andere Fische waren dagegen total abgemagert und für mich klare Todeskanditaen, während das vierte Tier schon verschwunden war. Im Quarantänebecken schaffte ich es dann aber doch einen der Todeskanditaten zu retten und das Tier entwickelte sich wie schon oben beschrieben sehr gut, nachdem ich es in das grosse Becken zurücksetzt hatte.
In den folgenden Monaten und Jahren war mir aufgrund der sehr verschiedenen Körperformen immer klar, dass es sich um ein männliches und ein weibliches Tier handeln musste. Das Weibchen, hochrückiger und mit sehr rundlicher Bauchpartie, hatte immer auffallend rote Bauch- und Afterflossen. Beim Männchen, flacher Bauch, langgestreckter wirkend durch deutlich kleinere Körperhöhe, waren alle Flossen fleischfarben bzw. farblos. Ausser dem schwarzen dicken Schwanzstreifen und feinerem Rückenstrich habe ich bei den Tieren nie irgendeine Querbänderung gesehen (wie sie ja manchmal in der Literatur beschrieben ist).
Das Verhalten der Tiere war lange nicht mehr so scheu wie in der Anfangsphase, aber ausserhalb der Fütterungszeiten musste man sich schon sehr still vor dem Becken verhalten, um etwas von den Tieren zu sehen. Selbst waehrend der Fütterung musste das Männchen zusehen, seinen Anteil zu bekommen, denn sobald das Weibchen das Männchen zu Gesicht bekam, wurde dieses sehr aggressiv und mit lauten Knacklauten durch das mit sehr vielen Versteckmöglichkeiten ausgestattete Becken gejagt. Allerdings gab es auch immer wieder mal zwischendurch Lockversuche des Weibchens, mit zuckenden Schwimmbewegungen um das Mänchen zum nebeneinander schwimmen zu bewegen. Das gelang auch oft, wobei auch untypisch in höheren Beckenregionen geschwommen wurde. Allerdings wirkte es auf mich immer so, dass nach mehr oder weniger kurzer Zeit das Männchen "die Nerven verlor" und schon ging die wilde Jagd durch das Becken wieder los.
Vor 3 Wochen ging es nun los, dass das Männchen keinerlei Scheu mehr vor dem Weibchen hatte, auch seine Bauch- und Afterflossen sind knallrot geworden. Bei beiden Tieren sind diese jetzt deutlich schwarz umrandet und schwarzgepunktet. Oft lagen sich die Tiere an einem kleinen Stein mitten im Becken ohne Deckung und Scheu (vor dem Betrachter an der Scheibe) gegenüber und zuckten nur kurz aufeinander zu. Völlig konträr zum normalen Verhalten wurden jetzt andere Fische, die zu nahe kamen, vertrieben.
So ging das 3 Wochen und ich war sehr gespannt wie sich dieses - für mich ganz klare Balzverhalten - entwickeln würde.
Jetzt hatte sich die Intensität in der Färbung beider Tiere noch erhöht und sogar der breite schwarze Schwanzstreifen leuchtet jetzt metallisch blau. Allerdings ist es mit dem Frieden vorbei. Die Tiere beissen sich Kopf an Schwanz im Kreis drehend, heftig in die Flanken. Das Weibchen - obwohl wesentlich kräftiger - muss gegen das wendigere Männchen sehr viel einstecken und hat schon deutliche weisse Verletzungen (Abschürfungen an den Flanken)!
Beim Männchen sieht man dagegen nur wenige, minimale Abschürfungen und es ist jetzt deutlich das dominante Tier. Allerdings kommt das Weibchen immer wieder nach Erholungsphasen aus den Verstecken und stellt sich dem Kampf erneut. Auch nach Barschart wird Kopf an Kopf dicht nebeneinander gewedelt und gedrängelt, allerdings seltener, meistens wird sich im Kreis drehend gebissen. Die Knackgeräusche gibt es z.Z. überhaupt nicht mehr.
Tags darauf hat sich die Situation ziemlich beruhigt. Keine Streitereien sondern die Tiere treffen sich ab und an mitten im Becken am Fuss eines grossen Felsens, neben dem Eingang hinter die aus Felsen und Schieferplatten gebildete Rückwand des Aquariums. Die Tiere lassen sich von den grossen und kleinen Welsen nur wenig stören, den Liposarcus haben sie gestern sogar verscheucht obwohl er grösser als sie ist. Beim Wabi, Kaktus- und br. Antennewels haben sie da natürlich schlechte Karten. Selbst die Panaq. spec aff maccus lassen sich nicht beeindrucken. Ab und an rutschen die Horas senkrecht an und auf dem genannten Felsen rauf und runter. Fast wie Barsche die einen Laichstein prüfen, aber lange nicht so intensiv.
An der beschriebenen Färbung hat sich nur verändert, dass beim Männchen in der oberen/hinteren Kante der Rückenflosse jetzt ein schwachweisser Saum erschienen ist.
Die Verletzungen/Abschürfungen sind beim Männchen nicht mehr zu sehen, beim Weibchen auf der linken Seite nur noch eine kleine Stelle. Nur auf der rechten Flanke ist noch dieser hässliche weisse Fleck, der sich aber zum Glück nicht zu entzünden scheint.
Als ich eines Abends das Becken betrachtete, entdeckte ich ca. 20 cm vom "Treff" emtfernt mitten im Becken an der Frontscheibe eine flache Grube von gut 10 cm Durchmesser. Tags darauf war die Grube noch tiefer gemacht, aber trotzdem noch mit flach auslaufenden Rändern. Das erinnert mich alles an Barschartige aber ich kann mir keinen Reim darauf machen was das bei den Schmerlen werden soll. Ich kann auch nicht sagen ob Männchen, Weibchen oder beide das "gebaut" haben, eigentlich weiss ich nicht einmal sicher, ob sie es überhaupt waren. Da aber eine solche Grube bei gleicher Besetzung im Becken nicht vorgekommen ist, denke ich, die Wahrscheinlichkeit spricht dafür.
Ich werde weiter berichten und hoffe etwas zu sehen, bevor die Welse alles plattgemacht haben.
Vergessen habe ich noch, dass das Weibchen immer voller und schwerer wird. Es hat ganz sicher den Bauch voller Eier - ich bin gespannt !
Jürgen
Anmerkung: Auszug aus dem Forum "Fortpflanzung"->"Zuchtversuche"->"Botia morleti+Zucht allgemein" vom 18.11.2004
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