Diese kleinen Schmerlen stammen aus Thailand. Bekannt sind sie unter dem Namen
Botia sidthimunki, doch nach der neuen Gattungsgliederung durch den
Schmerlenforscher Theodor T. Nalbant ( Rumänien) und dem Ichtyologen Maurice
Kottelat (Schweiz) heißen sie nun:
*Yasuhikotakia sidthimunki*
Ein echter Zungenbrecher, aber als Schmerlenliebhaber nimmt man das in
Kauf...*lach*
Sie haben bei mir eine Größe von fast 6 cm erreicht, ich denke, mehr
werden sie nicht nachlegen.
In ihren Heimatgewässern stammen sie aus verkrauteten Kleingewässer mit freiem
Schwimmraum und schlammigen Bodengrund.
Im Handel erhält man meist nur sehr kleine Tiere, die oft auch schlecht ernährt
sind, daher sollte man die Tiere erst eine Zeitlang gut beobachten. Der Preis
ist "hoch", ca. 11 Euro kosten sie (manchmal etwas mehr oder
weniger), dieser Preis rechtfertigt sich daraus, dass es fast alles Wildfänge
sind oder lt. Händler nur begrenzte Teichnachzuchten (hormonbehandelt).
Die Nachzucht ist in Aquarien noch nicht gezielt gelungen, lediglich von
einigen Zufallsnachzuchten wird berichtet.
Den Namen Schachbrettschmerle hat sie durch ihr interessantes Körpermuster.
Zwei waagerechte schwarze Balken auf jeder Körperseite mit goldgelbem Grund,
verbunden mit senkrechten Streifen lassen ein "Karo" Muster
entstehen, was an einem Schachbrett erinnert.
Der obere Balken befindet sich weit oben, fast schon auf dem Rücken, der andere
mittig, er verläuft auch über das Auge. Der Bauch darunter ist wesentlich
weißlicher, als die Körpergrundfarbe in der oberen Region.
Die Körperform ist typisch für eine Schmerle, sie gleicht einem Torpedo, die
Schnauze mit den empfindlichen Tastbarteln ist spitz, das gesamte Tier
aerodynamisch....oder sollte man sagen: aqua-dynamisch? *lach*
Die Geschlechter sind nicht zu unterscheiden, man spricht davon, das Weibchen
größer und, wenn Laich angesetzt ist, auch fülliger sind.
Das Wasser sollte laut einschlägiger Literatur weich, sauer und warm sein,
damit sie sich wohl fühlen.
Ich pfleg(t)e sie gesund und agil in folgenden Werten:
PH 6-7.0
Kh 0-6
Gh 0-12
Temp. 25-29 Grad (meist 27-29 Grad)
Wie an ihrem unterständigen Maul schön zu sehen ist, sind sie bei der
Nahrungssuche an den Boden orientiert. Emsig durchstöbern und wühlen sie im Untergrund,
Laub oder Mulm, immer auf der Suche nach dem nächsten Appetithappen. Daher
sollte Sand als einzige Wahl absolut selbstverständlich sein, ansonsten können
diese lebhaften Schmerlen ihrem normalen Verhalten nicht nachkommen.
Dennoch kann man Bereiche anbieten, wo gröberer Kies und Kiesel liegen, auch
dort wird natürlich in den Ritzen nach Futter gesucht.
Aber auch an der Wasseroberfläche wird geschlemmt. Da legt man
jegliche Scheu ab und dreht sich auf den Rücken, um das Futter direkt von der
Wasseroberfläche aufzunehmen...
Denn scheu können sie sein. Schnelle Bewegungen vor dem AQ lassen sie in ihre
sicheren Unterstände flitzen und erst einmal aus sicherer Entfernung
beobachten, was denn nun so alles passiert. Man ist ja schließlich neugierig...
Fühlen sie sich sicher, sind aber auch ständig in der mittleren Wasserschicht
anzutreffen.
Dies sollte man bedenken, wenn man ein Aquarium besetzt, sie müssten also auch
als freischwimmende Fische eingeplant werden.
Sie... ja, ich schreibe in der Mehrzahl, denn man sollte mindestens 6 Tiere
halten, Y. sidthimunki brauchen solche Gesellschaft, da sie doch
ein sehr ausgeprägtes Sozialverhalten haben und sich nur in einer Gruppe so
richtig wohl fühlen. Dies sollte bei einer Endgröße von 6-8 cm auch nicht das
Problem und der Preis kein Hindernis sein, man möchte die Tiere ja schließlich
gut pflegen.
Ich stockte nach und nach die Schmerlen auf, 16 sind es mittlerweile.
Da kommen wir dann aber auch schon auf die Aquariengröße. Sicherlich kann man
wenige Tiere auch in einem 80er halten, aber der Gedanke tut mir schon fast
weh. Meine Schmerlen schwimmen in einem 400 Literbecken und ich kann mit
Nachdruck sagen: den Platz nutzen sie absolut aus!
Sie sind enorm agil, immer unterwegs, nur unterbrochen von kurzen Ruhepausen
auf einer großen Wurzel.
Solche und auch viel Steinverstecke/aufbauten, Kokosnusshöhlen oder ähnliches
sollte ausreichend in dem Becken vorhanden sein, zusätzlich zu einer dichten
Rand/Seitenbepflanzung und einer wenigstens teilweisen Schwimmpflanzendecke.
Übrigens: sie lieben schräge Ruheplätze bei mir.

Helle Aquarien, welche wenig Deckung bieten, sollte man diesen Tieren nicht
antun.
Lavagestein verursacht oft Kratzer und manchmal auch tiefe Wunden bei diesen
Tieren, da er sehr scharfkantig ist. Bitte auch kein Lochgestein, es härtet das
Wasser leider auf und manchmal bleiben auch besonders unbeholfenen Schmerlen
stecken...
Für eine Gruppe von 6 Tieren rate ich ein 200 Liter AQ an, also eine
Kantenlänge von 100cm.
Es sieht sehr drollig aus, wie sie mit heftig " wedelnden" Flossen
auf der Stelle stehen, und dabei neugierig beobachten, ob es etwas Leckeres
geben könnte.
Auch durchstöbern sie mit Vorliebe Laubhaufen und dichte Javamoospolster,
suchen aber auch auf dem Rücken gedreht die Wasseroberfläche nach Leckerbissen
ab. Dabei konnte ich beobachten, dass es anscheinend einige Leittiere gibt,
welche zuerst erkunden, ob die Luft rein ist und dann erst kommt der Rest der
Gruppe nach.
Sie sind nicht immer im ganzen Trupp unterwegs, sondern oft auch zu zweit,
vergewissern sich aber immer wieder nach einiger Zeit am " Treffpunkt
" dass auch alle noch da sind. Ab und an kann ich unter den Schmerlen eine
Art Jagd beobachten. Zwei Tiere hetzen dann durch das AQ , die schwarze
Musterung ist verblasst und die Tiere scheinen eher Kupfern zu sein.
Immer wieder umkreisen sie sich, schwimmen dicht eine Strecke zusammen, reiben
die Körper aneinander und pressen sich, während sie auf einer Wurzel/ Blatt
verharren, aneinander. Dies dauert höchstens 5 Minuten, dann ist es so abrupt
vorbei wie es begann.
Droht ihrem Anschein nach Gefahr, so rasten sie im 528er blitzschnell (meist
auf ein und demselben Weg) in ihr Versteck, damals eine untergrabene Wurzel im
hinteren Bereich, dicht am Mattenfilter.
Dies war merkwürdigerweise nicht die dunkelste Stelle des Beckens, aber wohl
ein gut abzusichernder Platz.
Im 400er ist es der große Steinhaufen, der sie dann "verschluckt".*ggg*
Gefressen wird alles, was in ihr kleines Maul passt. Wie immer empfehle ich
auch hier in erster Linie feines Lebendfutter, an zweiter Stelle Frostfutter
und nur in Ausnahmesituationen Flockenfutter.
Von so genannten Tabs halte ich nichts, dass meiste verschwindet als
"Staub" im Wasser und belastet nur unnötig das AQ.
Lediglich die Tetra Wafer zesetzen sich nur sehr langsam und beschäftigen die
Schmerlen lange.
Diese kleinen Futtertabletten jagen sie sich dann regelrecht untereinander ab,
versuchen sie im Maul in eine sichere Ecke zu bringen, was als Beobachter sehr
amüsant ist.
Aber auch Gurke oder Tomate werden von manchen Tieren gern genommen.
Meine Racker fressen, wie fast alle Fische, bis sie zum Pottwal mutieren.
Daher sollte man bei der Futtergabe aufpassen und sie nicht mit Fischen
vergesellschaften, die sehr langsam Nahrung aufnehmen. Sie würden zu kurz
kommen und die kleinen Sidthimunkis würden gnadenlos verfetten.
Auch Fadenfische/Skalare sollte man in kleineren Becken nicht zusetzen, sie
leiden doch darunter, wenn die Schmerlen immer wieder ihre langen Tastfäden
"probieren"...
Wobei dies nicht alle Tiere machen, meine Gruppe ist dort sehr friedlich.
Agile Salmler oder Barben passen jedoch wunderbar zu diesen kleinen Torpedos...
Schnecken werden auch gerne verspeist, allerdings nicht so konsequent
wie bei anderen Schmerlenarten. Bevor die B.geto vorübergehend
einzogen, hatte ich immer einen Grundstamm. Nun muß ich jedoch in einem anderen
Becken Schnecken nachziehen, damit die Schmerlen beschäftigt sind. *lach*
In Bodennähe sehe ich kaum noch welche, nur in den dicken Schwimmpflanzenpolster
sind ausreichend Schnecken zu finden.
Langeweile/Fehlernährung kann durchaus schon dazu führen, das breitblättrige
Pflanzen wie z.B. Echinodoren regelrecht gelocht werden. Vor allem junge
Blätter haben dann sehr zu leiden und man sollte dem entgegenwirken durch
abwechslungsreiche, auch pflanzliche Nahrung.
Der Filter sollte einen kleinen Mattenwürfel über dem Ansaugrohr haben, damit
die kleinen Schmerlen nicht darin verschwinden, ebenso sollte das AQ gut
abgedeckt sein, bzw. einen Sprungschutz haben.
Ich persönlich habe sie noch nie springen sehen, aber öfter darüber gelesen.
Sicher ist sicher.
Und erschreckt nicht, wenn es plötzlich im Aquarium knackt... das ist nicht die
Scheibe, sondern die kleinen Schmerlen.
Sie können laute Knack/Schnalzgeräusche von sich geben als innerartliche
Kommunikation, aber auch das Absuchen der Wasseroberfläche kann richtig schön
laut gestaltet werden...*lach*
Alles in allem ist dies ein unglaublich wunderschöner, agiler Fisch, der auch
erst in einer richtigen Gruppe zur Geltung kommt. Er ist seinen Preis allemal
wert und erfreut einen mit einem langen Leben ( man spricht von 15 Jahren im
Schnitt) bei richtiger Pflege und einem unglaublich verspielten Verhalten...
Liebe Grüße Verena
freue mich immer über Besuch: http://www.verenas-aquaristik.de