Die Siamesische Saugschmerle wird gerne als Algenputzer verkauft, allerdings wissen nur wenige Verkäufer auch, welche Grundbedürfnisse dieses Tier an
seine Umgebung stellt.
So erwartet dieser Fisch eine große Grundfläche vielen großen, glatten,
Steinen die am besten mit Algen bewachsen sein sollten. Im heimischen Aquarium durchleben die Tiere eine logische Ernährungsumstellung - Jungtiere fressen hauptsächlich noch wie in der Natur Algen, mit zunehmendem Alter wird jedoch eher der Boden nach verwertbarem (Futterreste) abgesucht - durch zu reichliche Fütterung mit Flockenfutter gewöhnt man diese Tiere schnell an die viel einfachere Futteraufnahme vom Boden..
Da dieser Fisch aus fließenden, sauerstoffreichen Gewässern stammt und sich seiner Umgebung im Laufe der Evulution auch anpassen mußte, besitzt er ein großes tellerartiges
Maul welches einerseits ein Ideales Werkzeug zum Algen abweiden ist,
andererseits aber auch als Saugnapf verwendet wird, um sich in der starken
Strömung eines Flusses an einem Stein festhalten zu können, um auszuruhen.
Leider sind die Aquarien, mit denen dieser Fisch bei uns vorlieb nehmen muß
wenig geeignet. So findet die Siamesische Saugschmerle zwar viele Algen als
Futter, vermißt jedoch die weiten Schwimmräume was zu Agressionen führt.
Außerdem ist unser Aquarienwasser selten so Sauerstoffreich wie das der
Flüsse, aus denen der Fisch stammt – um nicht zu ersticken muß er also die
Kiemenaktivität drastisch erhöhen um zu überleben – leider bedeutet das eine
dauerhafte Überbeanspruchung.
Die Siamesische Saugschmerle verfügt über ein sehr interessantes Atemprinzip :
leicht oberhalb der Kiemendeckel besitzt dieser Fisch eine zusätzliche Atemöffnung, durch welche das Wasser bei jedem Atemzug direkt eingesaugt werden kann. Das ist besonders praktisch beim Abweiden eines Algenrasens oder wenn sich das Tier an einem Gegenstand während der Ruhephasen festsaugt.
Diese Atemöffnung läßt sich durch ein Ventil aus einem Hautlappen verschließen, das Wasser kann von dort aus nun direkt durch die Kiemenbögen gespült werden und tritt schließlich ganz normal an den Kiemen wieder aus.
Da die Zusatzöffnung recht klein ist ( bei einem ausgewachsenen Tier ca 7x2mm ) zeigt die Saugschmerle eine hohe Atemfrequenz, die nach Lüling [1985] bis zu 240 Atemzüge in der Minute erreichen kann. Dieser Wert darf keinesfalls als Normalwert gesehen werden, er kann nur während extremen Stresssituationen und Wasserbedingungen auftreten und sollte auf jeden Fall vermieden werden.
Es ist empfehlenswert, diesem Tier in sauerstoffreichem und zumindest leicht fließendem Wasser zu halten.
Auch die Gesellschaft bereitet häufig Probleme, so sollte man keinesfalls
große flache Fische wie z.B. Diskus mit den Siamesischen Saugschmerlen gemeinsam pflegen, denn diese könnten die glatte Oberfläche als idealen Ruhepunkt ansehen und versuchen, sich an dem Diskus fest zu saugen. Durch den Schreck bei dieser ungewöhnlichen
Berührung reißen sich die Tiere schon mal ein paar Schuppen ab !
Die Siamesische Saugschmerle benötigt entweder ein weites Revier um zu
flüchten oder eben viele Versteckplätze, was bei so großen Fischen nicht
immer leicht ist.
Meine Saugschmerlen haben unter den großen Sandstein-Platten sehr
gerne flache Höhlen gegraben. Vorsorglich habe ich unter den Sandsteinplatten
ein paar große Stützsteine angebracht, damit sie nicht bis auf den Boden
absacken und die Fische erdrücken können. Zunächst wühlen die Fische mit dem Maul ein
Loch unter den Stein, den Sand wedeln sie dann mit ihrer kräftigen
Schwanzflosse fort. Zum Graben werden aber auch die Brustflossen mit
verwendet. Eine Handteller große Höhle ist so in wenigen Minuten
fertiggestellt.
Von der Stellung der Rückenflosse und Schwanzflosse kann man grob den
Gemütszustand des Fisches ableiten, so bedeuten zusammengeklappte Flossen
Angst oder Unbehagen, normalgestellte Flossen Wohlbefinden und weit
abgespreizte Flossen Aufmerksamkeit, jedoch mit erhöhter Atemfrequenz eher
Agression. Das ist gut bei Rangkämpfen zu beobachten, diese Fische sind
übrigens Revierbildend und zur Paarung besonders leicht Reizbar.
Bei geschlechtsreifen und paarungswilligen Männchen tritt in manchen Fällen eine Art "Laichauschlag" auf, hier ist zu erkennen, dass das Männchen rund um die Schnauze (U-förmig) leichte Erhebungen zeit, die fast wie die Zinnen einer Burg wirken.
Vor Kurzem (November 2002) konnte ich abends kurz vor Beleuchtungsende beobachten, wie sich zwei Tiere gegenseitig "jagten" und immer ein O schwammen (vertikal), sich dann gemeinsam auf dem Blätterdach einer Anubias ausruhten und dann erneut ihre Kreise zogen - das sah nicht wie ein gegenseitiges verbeissen sondern eher wie ein Spiel aus, da die beiden sich immer wieder friedlich nebeneinanderliegend ausruhten - womöglich ein Balzritual?
Eines der Tiere hatte den besagten Laichausschlag, hier ein paar Fotos davon um das zu veranschaulichen. Die Fotos wurden eventuell auch von Gerhard Ott für seine Diskussionen verwendet, also nicht wundern, wenn die jemandem bekannt vorkommen sollten.
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