Chromobotia macracanthus - Erfahrungsbericht

Trotz dem mein Aquarium für Prachtschmerlen normalerweise zu klein ist ( ich verfüge im Moment leider nur über ein 200 Liter Aquarium ), pflege ich schon seit 1994 unter anderem auch die beliebten Chromobotia (oder früher "Botia") macracanthus.
(anm. die Tiere wurden ab 12-15cm Länge in ein grosses Schauaquarium umgesiedelt!)

Ich bemühe mich sehr um artgerechte Haltung und natürlich auch Fütterung, und man kann meinen Tieren auch ansehen, dass sie sich trotz der beschränkten 200 Liter Wasserinhalt meines Aquariums sehr wohl fühlen.
Trotz dem ich schon diverse Erfahrungen mit meinen Tieren gemacht habe, lerne ich doch jeden Tag etwas dazu.
Bei meinen Prachtschmerlen gibt es bestimmte Rituale, die sich immer wiederholen, auf manche davon wurde ich erst durch Bücher oder andere Aquarianer aufmerksam gemacht - so zum Beispiel hat sich in meinem kleinen Schmerlenrudel bereits das größte Tier zum Anführer der Truppe ernannt, und das bedeutet unter anderem, dass es für den Schutz der anderen Schmerlen zuständig ist. In meinem Aquarium befinden sich viele Höhlen und Unterstände, dichtes Pflanzenwerk und genügend durch aufschwimmende Pflanzen abgeschattete Bereiche, so dass die Tiere viele natürliche Fluchtorte haben. Die optimale Wohnhöhle für Schmerlen ist an zwei Stellen offen, der zweite Ausgang ist sozusagen der Notausgang, hier verbringen die Tiere den größten Teil ihrer Zeit, eng aneinander geschmiegt, den Kopf immer wachsam in Richtung Scheibe, um die Bedrohung klar im Blickfeld zu haben. Höhlen mit nur einem einzigen Eingang werden zwar ebenfalls benutzt, sind jedoch nur als vorübergehende Zufluchtstätte zu verstehen. Das Leittier steht oft vor der Höhle, bewacht den Eingang und warnt vor eventuellen Gefahren, bevor es seinerseits in die Höhle flüchtet.
Betrete ich also das Zimmer, sehe ich meißt die Schmerlen nahe beieinander in irgendeiner Ecke des Aquariums nach freßbarem suchen, sobald das Leittier mich entdeckt, wird dies den anderen Tieren durch schnellere Flossenaktivität signalisiert - jetzt beobachten alle Tiere genau, was ich tue. Stehe ich bewegungslos da, gehen die anderen Tiere ihrem normalen Treiben nach, während das Leittier mich weiterhin fixiert. Nähere ich mich dem Aquarium, verschwinden alle Tiere auf festgelegten Wegen, die immer im Schutz von Pflanzen oder Überhängen liegen, auch wenn diese Wege weiter sind als der direkte Weg zur Wohnhöhle - das Leittier bildet dabei immer das Schlußlicht. An der Höhle angekommen verschwindet das Rudel sofort darinnen, nur das Leittier stoppt davor, stellt sich quer vor den Eingang und prüft erneut, ob weiterhin Gefahr besteht oder nicht. Solange man nicht direkt mit der Nase an die Aquarienscheibe kommt, fühlt sich das Leittier in dieser Position sicher genug, bei ruckartigen Bewegungen oder klappernden Geräuschen an der Abdeckung flüchtet es allerdings auch in die Höhle, und bezieht an der vordersten Stelle seinen Wachposten.

In stiller Erwartung werde ich nun neugierig beäugt, und sofort erkennen die Schmerlen, wenn ich eine bunte Packung aus dem Futterschrank hole, dass es jetzt gleich wieder was zu fressen gibt. Absolute Leckerbissen sind Spinattabletten, rote gefrorene Mückenlarven und Gurkenscheiben. In der Hoffnung, die Fütterung für alle Tiere etwas Streßfreier zu gestalten werfe ich das Futter immer schön verteilt in das Aquarium, was die Schmerlen allerdings nicht sonderlich interessiert : sie folgen alle dem Leittier, welches sich berierig auf eine Futtertablette stürzt - sofort wird es von den anderen Tieren umlagert, versucht eine untergeortnete Schmerle, auch etwas abzuknabbern, wird sie sofort gnadenlos verjagt. Erst wenn das Leittier satt ist, dürfen die anderen ebenfalls fressen - dabei spielt es keine Rolle, ob nun am anderen Ende des Beckens ebenfalls Futter liegt oder nicht, solange das Leittier nicht satt ist, bekommen die anderen nichts ab.
Nun, da endlich der Magen voll ist und die Anderen dran sind, übernimmt der Chef wieder die Wache, während sich sein Rudel über die Reste hermacht.

Die Geräusche, die beim Fressen entstehen, lassen sich als lautes Schnalzen umschreiben - diese Geräusche kommen daher, das die Schmerlen das Fütter mit einem kräftigen Schluck Wasser ruckartig einsaugen.
Ebenso werden übrigens auch Schnecken gefressen - sie werden nicht -wie immer wieder behauptet- aufgeknackt, sondern ausgelutscht. Deshalb sind Schnecken mit Schutzmechanismus wie zum Beispiel Turmdeckelschnecken vor jüngeren Schmerlen relativ sicher, der Saugkraft von erwachsenen Tieren können aber auch die sonst sehr wehrhaften Turmdeckelschnecken nichts entgegensetzen.
Aber Prachtschmerlen können auch andere Geräusche von sich geben, sie klingen in etwa so, als würden die Tiere ihre Kieferknochen gegeneinander verkanten und aus dem Gelenk springen lassen - ein dumpfes knackendes Geräusch also.( Siehe 'FAQ' )
Dieses Geräusch konnte ich zu verschiedenen Anlässen registrieren - für mich klang es immer gleich, für die Schmerlen hatte es aber offensichtlich unterschiedliche Bedeutungen : einmal konnte ich es hören, als ein untergeortnetes Tier weit ab von seinen Artgenossen eine ergiebige Futterquelle ausgemacht hatte - also ein Lockruf an den Chef, er solle herkommen. Ein anderes Mal jedoch stammte dieses Geräusch vom Chef, es galt einer anderen Schmerle als Warnung, die sich zu oft zwischen den Chef und eine Futtertablette begeben hatte - dieses Tier verließ sofort und ganz ohne Jagd den Futterplatz - offensichtlich handelte es sich hierbei um eine ernste Warnung, der untergeortnete Artgenossen aus Angst sofort Folge leisten.
Diese Beobachtungen entstanden bei einem Rudel, welches noch relativ neu in einem Aquarium zum ersten mal mit Mückenlarven gefüttert wurde.
Später ändert sich das Verhalten der Tiere, sie verlieren ihre Scheu vor dem Menschen und auch einige Regeln der Rangordnung bei der Fütterung. So fressen nach der Eingewöhnung wieder alle Tiere gleichzeitig, ohne sich an eine Rangordnung zu halten oder dem Rudelführer den Vortritt zu lassen - vermutlich wissen sie, das ohnehin genug für alle da sein wird...

Interessant ist auch, das größere Beutetiere die nicht sofort gefressen werden können zunächst in Sicherheit gebracht werden, Schnecken beispielsweise werden an der Öffnung angesaugt und in die Wohnhöhle geschleppt, erst dort werden sie in einer Ecke verkeilt und genüßlich ausgesaugt.

Häufig wird die B.macracanthus im Fachhandel angeboten, ich habe die hier abgebildeten Färbungsunterschiede bereits in Natura betrachten können - ich möchte gleich sagen, das ich auf Fotos wesentlich mehr andersartig gefärbte Tiere sah, wobei ich allerdings nicht sonderlich begeistert war, als ich erfuhr, dass diese Färbungen gezielt herbeigefüht wurden - sozusagen farbig gespritzt wurden...


Die hier abgebildeten unterschiedlich gezeichneten Tiere (Fotomontage !!) sind meines Wissens natürlich entstanden, so das ich ruhigen Gewissens von einer Besonderen Zeichnung sprechen kann.

Die Färbung der Schmerle im Bild ganz oben ist wohl am häufigsten anzutreffen, sie hat drei schwarze, nach unten spitz zulaufende Querstreifen.
Die zweite Farbvariante besitzt einen angedeuteten vierten Farbstreifen und hat außerdem die Bauchflossen nicht schwarz gefärbt.
Die dritte Farbvariante zeigt wieder die schwarzen Bauchflossen, zusätzlich hat sie aber oberhalb der Bauchflosse einen kräftigen schwarzen Fleck.

Derartige Unterschiede gibt es wie erwähnt noch mehr, unter Anderem auch Tiere die fleckig wirkende Querbinden haben, oder zwischen den Querbinden vereinzelt weiße oder schwarze Flecke aufweisen, es gibt sie mit einer Grundfarbe von blaßorange bis feuerrot, wobei auch die schwarzen Querstreifen von satt schwarz bis hellgrau variieren können. Prachtschmerlen ( Chromobotia macracanthus ) verfärben sich bei Stress oder Rangkämpfen (Agressionsfärbung) stark, sie erscheinen wie durch eine graue Nebelwand verschleiert, je nach Lichteinfall sind sie zeitweise sogar fast vollständig grau.

An der Normalfärbung und Statur der Tiere kann man ablesen, ob ihnen die gebotenen Lebens- und Futterbedingungen zusagen : kräftige Farben und deutlich sichtbare Farbabgrenzungen an den Übergängen sind gute Zeichen. Die Tiere dürfen nicht fett wirken, aber auch keinesfalls abgemagert erscheinen.
Die Statur des abgebildeten Tieres ist soweit in ordnung, die Färbung der schwarzen Querstreifen ebenfalls, die hellen Orangetöne muß ich allerdings entschuldigen - dieses Foto wurde wie fast alle Anderen die ich besitze mit Blitz gemacht und dieser verfälscht den Eindruck leider sehr.

Hier sieht man eine Prachtschmerle (in diesem Fall eine aus der Gruppe von Ute Schössler,www.ute.ubaqua.de) bei dem, was schon vielen Aquarianern einen Schrecken eingejagt hat. Prachtschmerlen liegen manchmal lange Zeit regungslos auf der Seite um zu ruhen.
Viele Aquarianer haben bei diesem Anblick schon vermutet, ihr Schützling wäre verstorben - doch als sie das vermeintlich tote Tier aus dem Wasser holen wollten, richtete es sich blitzschnell auf und verschwand in einem Versteck.
Es ist noch nicht ganz klar, warum die Prachtschmerlen diese Ruhephase nur in einigen Aquarien zeigen und in anderen Aquarien nicht, es hängt keinesfalls mit der Grösse des Aquariums oder mit schlechter Pflege zusammen, soviel kann ich schon mal sagen.
Manche meinen, dass die Tiere diese Ruhephasen nur dann einlegen, wenn sie zuvor sehr aktiv in der Gruppe gespielt haben und sich sicher genug in ihrer Umgebung fühlen, um auch ausserhalb eines Versteckes von der Anstrengung auszuruhen - Andere sagen (nicht ganz im Ernst), dass die Tiere eine sadistische Ader haben oder dem Aquarianer die Entspannung nicht gönnen wollen, sondern ihn absichtlich erschrecken, um selber mal der Zuschauer vor der Glasscheibe zu sein und das menschliche Verhalten zu studieren...

Letzteres tun einige Tiere tatsächlich: sie beobachten durch die Scheibe ihre Umwelt, erkennen manche Gegenstände oder Personen scheinbar auch wieder, soweit man das aus ihren Reaktionen schliessen kann - wie sonst kann man erklären, das Schmerlen die gelbe Futterdose erkennen und herrauskommen, sie jedoch bei einer grünen Getränkedose völlig unbeeindruckt bleiben...

Diversen Berichten zu Folge gibt es zwei unterschiedliche Verhaltensweisen bei den Prachtschmerlen zu beobachten - nach einigen Untersuchungen stellte sich herraus, das es tatsächlich zwei "unterschiedliche" Arten der beliebten Prachtschmerle zu geben scheint. (Siehe auch Gerhard Ott, Aquaristik Fachmagazin 180)
Zum Einen gibt es die Prachtschmerle aus Borneo, welche dort stets in stehenden Gewässern zu finden ist. Wie man sich denken kann können Tiere in Seen natürlich keine Laichwanderungen durchführen, daher werden sich diese Tiere nicht so sehr darauf versteifen und müssten so theoretisch leichter nachzuziehen sein.
Zum Anderen gibt es die Prachtschmerle aus Sumatra, welche in Flüssen und Bächen von mittlerer Strömungsgeschwindigkeit lebt, Laichwanderungen durchführt und zu bestimmten Zeitpunkten zwischen den obersten Bachläufen, Überschwemmungsgebieten und sogar im Mündungsdelta des Flusses (Meer) zu finden sein soll. Die Borneo-Prachtschmerle scheint tatsächlich aber für den erfahrenen Aquarianer leichter nachzuziehen zu sein, da man ihr mit ein paar Tricks und der richtigen Fütterung eine Laichwanderung vorgaukeln kann.

Nach einigen Berichten die ich weder bestätigen noch dementieren möchte soll es angeblich ein Unterscheidungsmerkmal geben, nach dem man zwischen Sumatra- und Borneo-Prachtschmerle unterscheiden können soll. Die Rede ist von einem Beige-Farbenen Fleck im hinteren orangenen Streifen bzw auch direkt an der Schwanzwurzel.
Leider ist es mir bisher noch nicht gelungen, ein solches Tier zu fotografieren, auch kann ich nicht sagen, ob das Borneo- oder Sumatra-Tier diesen Fleck haben soll, da sich hier die Berichte wiedersprechen. Ich hoffe sehr, in der nächsten Zeit hierzu genaueres sagen zu können.

Wie den meisten Schmerlenbesitzern bekannt sein sollte, besitzen die meisten Schmerlenarten sogenannte Augendornen.
Über den Grund für die Ausbildung derartiger "Waffen" gibt es verschiedene Vermutungen, fest steht jedoch, das nur wenige Aquarianer diese Dornen jemals zu Gesicht bekommen haben.
Larry Arnold www.aqualandpetsplus.com war so freundlich, mir dieses Bild einer Prachtschmerle mit arretierten Augendornen zur Verfügung zu stellen.
Wie man sehen kann sind diese Augendornen nicht unbedingt ungefährlich, es ist also nicht empfehlenswert zu versuchen, eine Prachtschmerle mit der bloßen Hand zu greifen.
Es wird vermutet, dass die Augendornen bei Revierstreitigkeiten im Kampf verwendung finden (siehe hierzu auch in der FAQ den Bericht Kratzer/ Verletzungen )
Bei den Prachtschmerlenartigen (es gibt nicht nur DIE Prachtschmerle, zu den Prachtschmerlenartigen gehören viele Tiere wie z.B. auch die Botia histionica, B.striata, B.eos etc...) ist dieser Augendorn oft zweigeteilt, er besteht aus einem Hauptdorn und einem damit verwachsenen zweiten kleinen Nebendorn, der bei den meisten Bilder nicht sichtbar ist. In meinem Projekt Anatomie von Schmerlen ist ein Präparat eines Schädels einer Botia histionica zu sehen, in dem man diesen zweigeteilten Augendorn erkennen kann.

zurück