Botia kubotai - Sternchenschmerle

Ich habe nun seit über 1 1/2 Jahren eine Gruppe von 7 Botia Kubotais, auch als Sternchenschmerlen bekannt, in meinem 240l Aquarium.
Diese Schmerlenart ist relativ selten im Fachhandel zu finden und es gibt auch nicht besonders viele Informationen über sie. In dem Buch "Schmerlen im Aquarium" von Gerhard Ott ist diese Art noch nicht einmal erwähnt. Nach meinen Informationen aus Internet Recherchen wird die Art Botia Kubotai erst seit 2002 auf dem europäischen Markt angeboten.

Was als Erstes festzustellen war ist, dass sie von allen meinen Fischen den ausgeprägtesten Charakter haben ... sie sind gesellige, friedliche Rudelfische aber mit viel Persönlichkeit. Sie sind elegante Schwimmer und haben kein Problem damit "kopfüber" ein Blatt nach Fressbaren abzusuchen. Einige meiner Sternchenschmerlen sind sehr neugierig und lassen sich selbst bei einem WW nicht verschrecken, andere streifen zwar im Rudel durchs Becken, sind aber eher vorsichtig und scheu ... Sie sind in kleinen Gruppe aber auch einzeln im Aquarium unterwegs und verhalten sich gegenüber den anderen Fischen und Garnelen in meinem Gesellschaftsaquarium friedlich bis ignorant. Im Gegensatz zu anderen Schmerlen sind sie tagsüber sehr aktiv und viel im Aquarium zu sehen. Dies geht aber meiner Meinung nach nicht so weit, dass man sie als zutraulich oder gar handzahm bezeichnen könnte. Sie sind in allen Wasserebenen aktiv, wobei sie sich am Anfang fast nur in Bodennähe aufgehalten haben, aber nach einer kurzen Eingewöhnungsphase inzwischen den Fischen an der Wasseroberfläche das Futter wegfressen.

Bezüglich des Futters hat es sich bei mir bewährt, den Schmerlen nicht die üblichen Tabs für Bodenfische zu füttern, sondern ihnen stattdessen unter anderem JBL Novo Prawn (Garnelenfutter) zu geben. Dies hat mehrere Vorteile, es sind kleine Kugeln, die besser funktionieren als die Tabs, da es mit den grossen Tabletten bei den Schmerlen und anderen Bodenfischen zu Rangeleien kommt. Die kleineren Fische bekommen dann zu wenig ab, es wird auch schon einmal der Aquariumboden zum Nachteil von kleinen Vordergrundpflanzen umgepflügt und es werden dabei viele Futterpartikel ins Wasser abgegeben, was die Wasserqualität negativ beeinflusst. Novo Prawn lieben sie, da die Kügelchen durch ihrer Grösse für eine einzelne Schmerle gut aufzunehmen sind und im Vergleich zum Volumen einer Futtertablette etwa 10 kleinere Portionen im Aquarium den einzelnen Tieren zur Verfügung stehen.

Ich füttere meine Fischen zweimal wöchentlich mit Lebend- und/oder Frostfutter. Das Frostfutter taue ich in einem Glas auf, spüle es in einem Netz mit klaren Wasser und gebe es dann mit einer Pinzette aus den Netz ins AQ.
Hier haben sich bei mir weisse und rote Mückenlarven (lebend) und rote Mückenlarven (Frostfutter) bewährt. Wobei ich gelesen habe, dass man nicht zu viel rote Mückenlarven füttern sollte, da diese stärker mit Giften belastet sind. Die Sternchenschmerlen sehen meiner Meinung nach im Vergleich zu anderen Fischen nicht besonders gut ... sie scheinen die lebenden Mückenlarven zwar zu riechen, erkennen diese aber erst ab einem sehr kurzem Abstand oder erst wenn sie sich stark bewegen, Lebendfutter scheint aber mit der Zeit ihre Sinne diesbezüglich zu schärfen. Schnecken bleiben von meinen Kubotais unbehelligt, was bei den Turmdeckelschnecken zwar von Vorteil ist, allerdings werden leider auch die kleinen roten Posthornschnecken ignoriert.

Ausserdem gebe ich mindestens jede zweite Woche einen Stab mit frischen geschälten Gurkenstücken ins Becken, da sie nebenbei frisches "Grünfutter" benötigen und sonst einige Pflanzenarten stark in Mitleidenschaft gezogen werden (siehe Bild). Gurke fressen sie recht gerne, was man auf dem Bild der Gurkenfütterung gut erkennen kann! Allerdings sollte man die Gurke max. 36 Stunden im Becken lassen, da sie sonst anfängt zu gären!
Echinodorus-Arten haben bei mir kaum eine Überlebenschance, die Schmerlen fressen immer wieder die jungen Triebe ab, wodurch die Pflanze mit der Zeit verkümmert.
Nicht angefressen werden bei mir Vallisneria, Cryptocoryne, Farne, Schwimmpflanzen (Riccia Fluitans, Muschelblumen, Froschbiss) und Moose.

Eine Aussage, die im Internet kursiert kann ich absolut nicht bestätigen und halte sie für nicht zutreffend. Angeblich können sich Sternchenschmerlen mit ihren Flossen an der Glasscheibe am AQ hochziehen und deshalb muss es unbedingt geschlossen sein. Ich hatte Kontakt zu anderen Haltern und keiner hat mir diese Aussage bei seinen Fischen bestätigen können. Ich konnte dies auch noch nie beobachten und halte es für ein Gerücht.

Ich habe eine grosse Mangrovenwurzel mit einigen höhlenähnlichen Formen im AQ die sie gerne nutzen und auf der sie sich auch gerne nach dem Fressen ausruhen.

Am Anfang konnte man einige Rangkämpfe zwischen den Schmerlen beobachten, die sich aber schnell gelegt haben und anscheinend ab und zu wieder die Rangordnung in der Gruppe regeln. Sonst sind sie ruhige, neugierige und problemlose Fische meines Gesellschaftsbeckens. Andere Fische und meine Amaonogarnelen ignorieren sie förmlich und haben auch kein Problem mit den Fadenfischen, deren lange Fäden sie in Ruhe lassen.

Nachzuchten scheint es nicht zu geben, alle Fische sind nach meinen Informationen Wildfänge!


Rainer Witzgall, Nürnberg

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