Botia histrionica - Burmesische Prachtschmerle

Die Botia histrionica wird häufig mit den verschiedensten Schmerlenarten verwechselt, unter anderem auch gerne mit der Botia lohachata im Jugendkleid, zu finden in vielen Fachbüchern. Die Unterscheidung ist jedoch nicht so einfach, während die junge Botia lohachata einen fast waagerechten vom Auge zur Schnauzenspitze laufenden Längststreifen aufweist, sind die Zeichnungen bei der Botia histrionica eher vom Auge zur Unterlippe verlaufend und viel dicker (siehe Foto), außerdem sind die Farben kräftiger und sauberer Abgegrenzt, das Auge ist komplett dunkel. Weitere Hinweise zur Unterscheidung finden sich in der FAQ und unter der Rubrik PROJEKTE auf diesen Seiten.
Die Burmesischen Prachtschmerlen sind sehr interessante Tiere, weil sie derzeit selten im Handel angeboten werden und noch nicht so genau beschrieben und beobachtet wurden wie andere Schmerlenarten. Soweit ich beobachten konnte, fressen Jungtiere häufig am Algenrasen großer Blattpflanzen, da ihr Maul jedoch nicht zum Abweiden von Algen geeignet sein dürfte, gehe ich davon aus das sich zumindest die Jungtiere hauptsächlich von Kleinstlebewesen im Algenrasen und Fischlaich auf Blättern ernähren dürften. Größere Tiere hingegen gehören wieder zu den Allesfressern, sie sind sehr geschickt wenn es darum geht, Lebendfutter aus dem Wasserstrahl zu fangen. Vom Verhalten her würde ich sie gerne mit der Prachtschmerle gleichstellen, obwohl ich bisher kein Leittier ausmachen konnte, sind auch diese sehr Wachsam, aber weniger Schreckhaft.
Burmesische Prachtschmerlen sind sehr friedliche Fische, die sich aber auch vor den viel größer werdenden Prachtschmerlen nicht beeindrucken lassen, wenn diese eine Futterquelle für sich beanspruchen wollen.
Botia histrionica schwimmt auch gerne in Schwärmen anderer Arten mit, seinen es Botia's oder auch ganz artfremde Tiere. Sie ist nicht so sehr auf viele Artgenossen angewiesen wie andere Schmerlenarten, jedoch benötigt sie ebenfalls eine Gruppe gleichgroßer Tiere aus der Gattung Botia um sich wohl zu fühlen.
Vom Verhalten her läßt sich sagen, dass die Burmesische Prachtschmerle weniger Versteckplätze benötigt, ihr genügen große Blätter und überhängende Felskanten als Behausung, diese werden auch nur dann aufgesucht, wenn direkt in das Wasser gegriffen wird oder ruckartige Bewegungen in geringem Abstand ab 1 Meter Entfernung registriert werden.
Von allen in meinem Aquarium beheimateten Schmerlen ist die Botia histrionica mit Abstand die zutraulichste Schmerle, sie versteckt sich eher selten, ist kaum schreckhaft und immer als erste wieder zur Stelle, falls es doch mal eine Fluchtreaktion gegeben haben sollte.

Eine Zeit lang pflegte ich ein aus einer Gruppe übriggebliebenes Tier ohne Artgenossen in einem Gesellschaftsaquarium. Wenn sich diese Schmerle unbeobachtet fühlte, spielte sie ganz normal mit anderen grossen Fischen wie zum Beispiel den Siamesischen Saugschmerlen oder einer Gruppe Zebraschmerlen, wobei sie sich wohl am besten mit den Saugschmerlen angefreundet hatte.
Dann plötzlich, wenn ich mich dem Aquarium näherte, liess sie von Ihren Freunden ab und stand ganz still in Habt-Acht-Position und schaute mich an.
Während der Jahre, die ich dieses Tier pflegte, war ich mir manchmal nicht ganz sicher, wer hier grade wen beobachtet und studiert - oft saß ich Auge in Auge mit einer Burmesischen Prachtschmerle gegenüber und musterte sie regungslos ebenso, wie sie mich zu mustern schien.
Manchmal schwamm sie auf und ab und reckte den Kopf senkrecht in die Höhe, um mich mit dem einen mir zugewandten Auge aus verschiedenen Positionen zu betrachten.
In der ersten Zeit dachte ich, sie wolle mir auf diese Art zu verstehen geben, das sie Futter wolle, doch sobald ich etwas hineinwarf, drehte sie sich weg als wäre sie beleidigt und verschwand in einer Höhle.

Wenn ich schreibe, das ich ein Tier über lange Zeit beobachte, dann tu ich das normalerweise mit einer Kamera, so habe ich hier mal die verschiedenen Wachstumsphasen EINES Tieres dokumentiert. Daran kann man sehen, was man von der Beschreibung der Zeichnung eines Tieres zu halten hat...
Ganz oben ist das Tier noch sehr jung, höchstens ein Jahr alt. In diesem Alter sind die Burmesischen Prachtschmerlen noch ziemlich schlicht gestreift, sie ähneln so vielen anderen Schmerlen, so das es immer wieder zu Verwechselungen kommt. Dies ist auch das Alter, in dem immer wieder einzelne Tiere aus einer Gruppe plötzlich und unerwartet sterben können. Oft sollen die verstorbenen Tiere dann durch neue ersetzt werden, hierbei kommt es häufig zu vermischung mit anderen ähnlichen Arten...

Im zweiten Bild ist das Tier ungefähr 3-4 Jahre alt, die Zeichnung ist hier aufwendiger geworden, einige der dunklen Streifen bekommen helle Flecken und die Zeichnung des Kopfes ändert sich leicht ab.

Im dritten Bild setzt sich die Bildung von hellen Flecken in den dunklen Streifen fort, ausserdem bilden sich hier schon langsam dunkle Flecken auf den vormals hellen Zwischenräumen. Das Tier ist hier ungefähr 7 Jahre alt. Die Zeichnung auf den Flossen beginnt, ebenfalls aufwendigere Muster zu bilden.

Im letzten Bild ist schliesslich zu erkennen, das sich die Anzahl der dunklen Punkte stetig weiter fortsetzt, das Tier ist jetzt ca. 8-9 Jahre alt. Sehr schön ist die Zeichnung im mittelern Bereich des Tieres, die hier stark an eine Indianerbemalung erinnert - vielleicht sollte man den Deutschen Namen auf "Indianer-Schmerle" ändern...


Ich möchte nochmals erwähnen, das ALLE Abbildungen hier von dem selben Tier stammen, und ausserdem immer die selbe Seite des Tieres zeigen. Das ich dies hier extra erwähne ist damit zu erklären, dass dieses Tier von der anderen Seite eine geringfügig andere Zeichnung aufweisen kann!

Andreas Kinast

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